Kleine Revolutionen: von der Lust auf Verbotenes

Einen Abend mit Freund:innen am Feuer.


Bis hier hin war ich sehr brav in der Ausübung meiner staatlich verordneten Einsamkeit. Ich habe alles digitalisiert, was geht. Nur noch Pizza bestellt, statt einkaufen zu gehen, kontaktlos angenommen, was sie mir geliefert haben, kein Trinkgeld gegeben. Igitt Geld.

Dann sagte die Freundin zaghaft, man könne ja mal einen Abend im Garten am Feuer sitzen, mit Abstand und Vorsicht, nach Vorschrift und was ja auch alles gut ist. Und ich sage Ja bevor sie aussprechen kann. Dann erzähle ich meinem Corona-WG-Kollegen Bodo davon und er fängt sofort Feuer: Menschen außer Dir und dem Kind sehen. Was für eine Vorstellung. Was für eine Vorstellung das ist, dass es Zeiten gab, wo wir uns einfach verabredet haben. Wahnsinn! Mit anderen Menschen! Nicht im Netz, so in echt und Farbe und mit Bewegtbildern ohne Monitor dazwischen.

Ich sag Euch es war ein Abend to remember. Und dabei ist nichts passiert: nur ein Feuer, eine spektakuläre Linsensuppe, ein Hund, der Mäuse jagt, Kinder, die andere Kinder sehen. Alles im Hinterhof und unter strengster Rechtfertigung vor den Nachbarn. "Man wird doch wohl noch grillen dürfen", schrie meine Mutter immer über den Hof, wenn sie in der Feuerschale Müll verbrannte und es erbärmlich stank, als Rechtfertigung vor den Nachbarn.

2020 als es gefährlich wurde als Mensch einen Mensch zu sehen und wir alle erkannten, dass es ohne die anderen sehr sehr traurig ist. Ich werde es wieder tun. Im Garten mit Linsensuppe und Feuer. Unnormal schön war das.




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